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Donnerstag, 10. Mai 2012

Du bist nicht alleine auf der Welt.

Es kommt selten vor, dass ich morgens zur selben Zeit wie Frau X das Haus verlasse.
Vor kurzem ereignete sich allerdings folgendes Szenario:

Ich saß noch halbschlafend im Flur und war gerade dabei mir die Schuhe zu zubinden, als Frau X meinte sie müsse sich von hinten mit einem fetten Koffer an mir vorbei quetschen ohne auf die Idee zu kommen mich um Platz zu bitten.
Viel zu spät merkte ich leider, dass sie diesen Koffer bei sich trug und durfte mir erstmal was anhören: "Du bist hier nicht alleine auf der Welt!"
Ich hatte keine Lust auf irgendwelche hitzigen Gespräche am frühen Morgen, wesshalb ich ihr Kommentar einfach ignorierte und mir meine Jacke anzog.
Dann nahm ich mir die Pfandflaschen die ich vom vorigen Tag aus der Schule mitgebrachte hatte und ging nach draußen zur Getränkekammer.
Als ich diese wieder abschloß und mich umdrehte, sah ich wie Frau X das Fenster ihres Wagens runter machte und sich aus dem Auto lehnte.
Mit aufgebrachter Stimme schrie sie mich an: "Du solltest mal lernen auf andere Leute Rücksicht zu nehmen! Das geht ja mal garnicht! Wie assozial verhälst du dich eigentlich?!"
"Ich wünsche dir auch einen wunder schönen Tag", erwiederte ich ihr nur und warf ihr ironischer Weise eine Kusshand zu und winkte ihr.
Total aus dem Konzept gebracht starrte sie mich an: "Ja genau! Dir auch einen schönen Tag!" (das war natürlich ironsch.)
Schließlich fuhr sie meckernd aus dem Hoftor.
Mein Vater kam aus der Haustür: "Was war denn jetzt schon wieder?"
"Ich bin deiner Verehrtesten nicht schnell genug aus dem Weg gegangen.", antwortete ich und mein Vater schüttelte den Kopf.

Noch am selben Tag, ich war mit Frau X alleine zuhause, saß an meinem Schreibtisch und war mit dem nähen eines Kostüms beschäftigt, ertönte auf einmal ohrenbetäubend laute Musik aus dem Radio des Badezimmer auf der anderen Seite des Flures (unser Flur ist ziemlich lang).
Ich musste an Frau X's Worte von heute morgen denken: "Du bist hier nicht alleine auf der Welt!" und "Du solltest mal lernen auf andere Leute Rücksicht zu nehmen!"
Schmunzelnd schüttelte ich den Kopf, ließ mir meine gute Laune nicht vermiesen.
Um die so genannte Vlieseline, die zur verhärtung des Kragen dient, am Stoff zu befestigen brauchte ich ein Bügeleisen.
Ich ging also runter ins Wohnzimmer und sah Frau X in der Küche stehen (Oben lief wohlgemerkt die Musik im Badezimmer weiter munter vor sich hin!).
Mit Bügeleisen und Bügelbret bewaffnet machte ich mich ans Werk. Als ich anfing mitzusingen was im Radio lief, stapfte Frau X plötzlich wie von der Tarantel gestochen aus der Küche und die Treppe hoch.
Im nächsten Moment war die Musik aus.
Schade, schade!

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